Ein Kunstwerk für das Haus der Nachhaltigkeit

Im Herbst 2008 wurde auf dem Außengelände beim Haus der Nachhaltigkeit ein Kunstwerk errichtet. Es soll sowohl zum Gebäude einen Bezug haben als auch zum Wesen und Auftrag des Biosphärenreservats passen. Dazu wurden vier Bildhauer aufgefordert, zu dieser Aufgabenstellung Vorschläge einzureichen. Ein Gremium aus zwei Kunstsachverständigen und zwei Vertretern von Landesforsten Rheinland-Pfalz hat sich am 25.06.2008 für den Entwurf ‚Netzwerk-Globus’ von Reinhard Haverkamp entschieden.

Eine Besonderheit in dem Verfahren war, dass die Bevölkerung involviert wurde und sich an der Auswahl beteiligen konnte. Jeder der wollte war aufgefordert seine Meinung entweder im Internet oder auf einem Meinungsboard im Haus der Nachhaltigkeit schriftlich zu äußern. Bei der Entscheidung wurde auch dieses öffentliche Votum berücksichtigt.

Das Projekt »Netzwerk-Globus«

Künstlerische Anforderungen

Folgende Prämissen liegen dem vorliegenden Wettbewerbsbeitrag zu Grunde:

  • Um einen Blickfang zu schaffen, sollte eine möglichst großformatige Skulptur entwickelt werden, stark genug, um von der Strasse aus gesehen zu werden und ohne dabei an Leichtigkeit zu verlieren.
  • Die Form sollte Bezug nehmen auf das bestehenden Gebäude, es kontrastieren ohne zu konkurrieren.
  • Um leicht und schnell lesbar zu sein, sollte die Form Zeichencharakter besitzen und inhaltlich mit dem Haus der Nachhaltigkeit assoziiert werden können.
  • Ein inhaltlicher Bezug sollte nicht nur symbolisch, sondern auch konkret in Form von Materialwahl, örtlicher Firmenbeteiligung bei der konstruktiven Entwicklung und Produktion und nicht zuletzt durch direkte Bürgerbeteiligung bei der Installation der Arbeit hergestellt werden.
  • Die fertige Skulptur sollte durch Begehbarkeit nachhaltige Raumerfahrung ermöglichen.
Netzwerk-Globus
© Landesforsten.RLP / Achim Perabo

Erläuterungen zum Wettbewerbsbeitrag von Reinhard Haverkamp

Die vorgeschlagene Arbeit zeigt die luftige Konstruktion einer sphärischen Form von 5m Durchmesser, bestehend aus Holzstäben und Tau. Hauptmerkmale sind neben der Dimensionierung die Einfachheit und Prägnanz der Kugelform sowie die besondere Art der Konstruktion.

Das Haus der Nachhaltigkeit möchte Publikumsmagnet sein, um seine Botschaft vermitteln zu können. Soll eine Skulptur hierzu beitragen können, muss sie schon von der Strasse aus ins Auge fallen. Die vorgeschlagene Skulptur weckt Aufmerksamkeit durch ihre Höhe und Voluminösität. Die luftige Konstruktion gewährleistet dennoch Leichtigkeit. Als Kugel ist die Gesamtform schnell auffassbar und wird somit unschwer als Zeichen gelesen werden können. Den Standort »Haus der Nachhaltigkeit« zu bezeichnen und den Ort zu definieren, ist demnach eine Funktion des Kunstwerkes.

Während das Gebäude sich flach dem Boden anschmiegt, liegt die Kugel nur leicht auf der Bodenoberfläche auf und bildet damit einen Kontrast auch zu den im wesentlichen kubischen oder scheibenförmigen Grundelementen des
Hauses.

Tritt man näher hinzu, fällt die Besonderheit der Konstruktion ins Auge: Ein System aus druckbelasteten Stäben und zugbelasteten Seilen bildet ein spannungsreiches Zusammenspiel von Kräften, das die Stabilisierung der Kugel bewirkt. Die Spannung der Achse im Inneren der Kugel verpflanzt sich über die Stäbe auf die 3 »Breitenkreise« und spannt diese ringförmig auf. Das Kappen des Seils in der Achse hätte den sofortigen Kollaps des Systems zur Folge.

Optisch findet diese Konstruktionsform ihren Ausdruck in dem Erlebnis von Leichtigkeit und Ausgewogenheit, aber auch Verletzlichkeit. Damit ist die Verbindung zur symbolischen Bedeutung der Skulptur hergestellt: Mit seiner schräggestellten Achse unschwer als Erdkugel interpretier- bar, wird das aufeinander abgestimmte Zusammenwirken der konstruktiven Kräfte mit dem verletzlichen Gleichgewicht des Ökosystems Erde assoziiert. Damit beschreibt die Skulptur letztlich die Problematik, auf welche das Haus der Nachhaltigkeit als Institution aufmerksam machen will. Sie beinhaltet den globalen Aspekt der lokalen Bemühungen, sie thematisiert das Netzwerk der beteiligten Akteure, die
nur in abgestimmter Kooperation das empfindliche System aufrechterhalten können.

Nach dem Hitzesommer 2018 kollabierte das Kunstwerk. Die Konstruktion hielt den Extremtemperaturen und den fehlenden Niederschlägen nicht mehr stand. In der Realität erfüllte sich somit Haverkamps Botschaft.

Bürgerbeteiligung

Großes Gewicht legt das Haus der Nachhaltigkeit auf die praktische Umsetzung seiner Ideale unter aktiver Beteiligung örtlicher Akteure und heimischer Materialien.

Holz als Baumaterial symbolisiert den nachhaltigen Umgang mit Rohmaterial und es soll aus heimischem Bestand gewonnen werden. Bei der Wahl der Holzsorten und der Oberflächenbehandlung wird die Kompetenz örtlicher Firmen zu Rate gezogen. Die ungewöhnliche Konstruktionsform dient weiterhin als Anregung, auch mit dem Rohstoff Holz neue Wege zu gehen und Mut zum Experiment zu zeigen.

Schließlich war der eigentliche Aufbau der vorgefertigten Elemente zur fertigen Skulptur als »Event« vorgesehen, mit direkter Beteiligung interessierter und hierfür eingeladener Besucher. In der konkreten Mitarbeit wird die Funktionsweise der Konstruktion hautnah erlebbar und zugänglich gemacht; für die Beteiligten führt es zur Identifikation mit dem Ort.

Auch die fertige Skulptur wird die Einbeziehung der Besucher fortführen, insofern sie dazu anregt, die konstruktiven Eigenheiten zu erkunden und die symbolische Bedeutung zu verstehen. Konkret aber tun sich Möglichkeiten unterschiedlicher Raumerlebnisse auf: Aus der Entfernung die Kugel als Punkt, der den Ort bezeichnet und in der Annäherung über den Steg Transparenz und Zusammenschau mit der Architektur. Die Skulptur wird so als als "optische Linse".

Standort

Die Platzierung ist einerseits mit Hinsicht auf die Signalwirkung von der Strasse aus gewählt, andererseits bezogen auf die vorhandene Topographie des geschwungenen Steges, der die Kugelform bogenförmig umspielt und den Besucher führend, die Skulptur in sukzessiver Annäherung, Nähe und dann wieder Entfernung erleben lässt. Gleichzeitig erlaubt der angemessene Abstand vom Gebäude die Selbständigkeit beider Teile.

Um Probleme mit aufwachsendem Gras zu vermeiden, wird der Aufwuchs im Bereich des Standortes besonders kurz gemäht. Dies unterstützt auch die Leichtigkeit der Form, die über die Balkenschuhe nur durch kaum sichtbare Metallstäbe Kontakt zum Boden hat und dadurch zu schweben scheint.