Antworten auf häufig gestellte Fragen

Wenn Sie weitere Fragen haben, dann klicken Sie bitte hier. Bislang gibt es Antworten zu folgenden Themen:

  1. Wie weit kann man im besten Fall sehen?
  2. Was kann ich von meinem Standpunkt aus sehen?
  3. Was ist mit der Meldung gemeint, die Sichtweite sei soundso viel km?
  4. Bei welcher Sichtweite soll ich mich alarmieren lassen?
  5. Wie häufig treten die einzelnen Sichtstufen auf?
  6. Wie lange dauern die einzelnen Sichtstufen an?
  7. Handelt es sich bei der Trendaussage um eine Prognose?
  8. Sind die Messwerte von der Kalmit für den gesamten Pfälzerwald repräsentativ? 
  9. Wie sind die Sichtstufen schlecht, passabel, hoch und exzellent definiert?
  10. Kalmit meldet 110 km Sichtweite, aber die Wertung lautet passabel – ist das nicht ein Widerspruch zur vorstehenden Antwort?
  11. Was bedeutet das dv bei der Angabe des Dunstmaßes?
  12. Gibt es einen möglichst anschaulichen Zugang zu den Sichtstufen schlecht, passabel, hoch und exzellent?
  13. Warum stehen hier ziemlich anspruchsvolle Antworten auf so einfache Fragen?
  14. Wo bleibt die Antwort auf meine Frage?
  15. Darf ich die Sichtweitenmesswerte nutzen?
  16. Bei der Registrierung kann man eine Anmarschzeit angeben. Wozu ist das gut?
  17. Warum werden bei einer Registrierung nur Alarmwerte akzeptiert, die merklich über der aktuellen Sichtweite liegen?
  18. Warum erhalte ich beim abendlichen Verschwinden der Sicht keine Erledigungsnachricht, obwohl ich zuvor alarmiert wurde?
  19. Kann man von der Kalmit aus die Alpen sehen?

1. Wie weit kann man im besten Fall sehen?

Das hängt von zahlreichen Faktoren ab! Die wichtigsten sind: (1) man muss einen möglichst herausgehobenen Standpunkt einnehmen, um über Hindernisse hinweg sehen zu können; (2) die Luft muss optimal durchsichtig sein. Während man für den ersten Punkt "nur" den richtigen Ort wählen muss, ist für den zweiten Punkt auch der richtige Zeitraum wichtig. Die meiste Zeit hapert es mit der klaren Luft. Streng genommen gibt es auch für Punkt 2 wieder eine Menge Einflussfaktoren. Unnachgiebige Fragesteller haben uns (bildhaft gesprochen) die Pistole auf die Brust gesetzt, damit wir einen Zahlenwert herausrücken - nun gut, mit einem seriösen Ansatz kommt man zu dem Ergebnis: nach 391 km ist Schluss!
P.S.: Nachdem ein gewitzter Leser dieser Rubrik argumentierte, er könne gar nicht selten 150 Millionen Kilometer weit sehen - nämlich bis zur Sonne - hier doch noch ein Wort zu den Einflussfaktoren: die Rede ist von nicht selbstleuchtenden Zielen, die in der Atmosphäre des Planeten Erde am hellen Tage in horizontaler Richtung im Mittelgebirgsniveau aufgesucht werden...

2. Was kann ich von meinem Standpunkt aus sehen?

Das kommt auf Ihren Standpunkt an. Tatsächlich müsste die Antwort für jeden Standort speziell erarbeitet werden und könnte sogar so umfangreich ausfallen, dass Sie eine lückenlose Aufzählung langweilen würde. Falls Sie allerdings Vollständigkeit begrüßen und nach einem herausragenden Beispiel in unserem Pfälzerwald suchen, dann knöpfen Sie sich doch einmal den Rundblick vom Luitpoldturm vor.

3. Was ist mit der Meldung gemeint, die Sichtweite sei soundso viel km?

Der Zahlenwert sagt Ihnen, wie weit man eine absolut schwarze Tafel von Ihrem momentanen Standort wegtragen müsste, bis Sie in Zweifel geraten, ob Sie dieses Ziel gerade noch oder bereits nicht mehr erkennen (stellen Sie sich eine riesige Tafel vor, die ein Versuchsleiter nach Erreichen der angegebenen Entfernung ohne Vorankündigung umlegt oder aufrichtet; ihre Schwierigkeiten sind also nicht etwa auf ein zu kleines, sondern vielmehr auf ein von der Himmelshelligkeit nicht mehr zu unterscheidendes Ziel zurückzuführen!)

4. Bei welcher Sichtweite soll ich mich alarmieren lassen?

Gegenfrage: wieviel Zeit wollen oder können Sie investieren? Abhängig davon sollten Sie Ihre Entscheidung treffen. Unsere Empfehlung lautet:
(1) wenn Sie während Ihres Aufenthalts in der Pfalz beim Besuch eines Aussichtpunkts zum mindesten keinen Reinfall erleben wollen, wählen Sie einen Wert aus der Stufe passabel, sinnvoll wären zum Beispiel 40 km.
(2) falls Sie einen (vielleicht schon einmal besuchten) Aussichtspunkt nur unter besonderen Sichtverhältnissen erleben wollen, wählen Sie innerhalb der Stufe hoch, eine gute Entscheidung landen Sie mit etwa 80 km (klappt möglicherweise tagelang nicht, aber vielleicht haben Sie ja Glück!);
(3) falls Sie bereit sind, für ein außergewöhnliches Sichterlebnis auch außergewöhnlichen Aufwand zu treiben (Wartezeiten von mehr als einem Monat sind nicht ungewöhnlich), dann entscheiden Sie sich für Werte der Stufe exzellent, vernünftig wäre ein erster Versuch bei rund 160 km.
Anmerkung: die Stufe passabel liegt zwischen 26 und 64, hoch zwischen 65 und 158 und exzellent ab 159 und mehr Kilometern. Wie man darauf kommt, lesen Sie hier.

5. Wie häufig treten die einzelnen Sichtstufen auf?

Das wollen wir noch herausfinden! Die Sichtweitenmessstation auf der Kalmit ist dazu ein wichtiges Hilfsmittel. In einigen Jahren können Sie darüber Genaueres erfahren. Bis dahin hilft Ihnen ein Blick auf die Rückblende zum Sichtverlauf. Dort können Sie ablesen, wann eine bestimmte Sichtstufe zum letztenmal erreicht wurde.

6. Wie lange dauern die einzelnen Sichtstufen an?

Die Antwort fällt ähnlich wie bei der vorstehenden Frage aus: auch das soll noch detailliert untersucht werden. Folgende Einschätzung kann Ihnen zunächst weiterhelfen: bei hohen oder exzellenten Sichtverhältnissen müssen Sie damit rechnen, dass der Zauber schon nach wenigen Stunden vorbei ist. Deshalb eine dringende Bitte: Versuchen Sie nicht, einen guten Standort aufzusuchen, den Sie in dieser Zeit nur unter Gefährdung von sich oder anderen erreichen können!

7. Handelt es sich bei der Trendaussage um eine Prognose?

Ja, aber nur im Sinne einer Kurzfristvorhersage. Der Trend gibt die Änderungstendenz der Sichtweite für die zurückliegende Stunde an, er ist daher auch nur als Schätzung längstens für die kommende Stunde brauchbar. Unterschieden werden die Kategorien stagnierend, schwankend, steigend und fallend. Beachten Sie also bitte: es gibt keine Gewähr, dass sich der gegenwärtige Trend über viele Stunden fortsetzt. Oder wenn Sie der Sache etwas Positives abgewinnen wollen: es bleibt spannend!

8. Sind die Messwerte von der Kalmit für den gesamten Pfälzerwald repräsentativ?

Meistens ja. Zeitweise kann es passieren, dass auf der Kalmit Wolken aufliegen, während darunter, zum Beispiel im Rheintal, diese Behinderung entfällt. Bei den bevorzugt im Winter auftretenden Inversionswetterlagen ist es genau umgekehrt: während in den Tälern dicker Nebel lagert, kann es vorkommen, dass auf der Kalmit grandiose Fernsicht herrscht. Die Messwerte geben die Verhältnisse im obersten Stockwerk, also in den Gipfellagen des Pfälzerwaldes, getreu wieder. An den Messungen im Parterre wird noch gearbeitet...

9. Wie sind die Sichtstufen schlecht, passabel, hoch und exzellent definiert?

Alle Sichtstufen sind Wertungen, die für bestimmte Sichtweitenintervalle stehen. Da sich Bewertungen nicht aus Tatsachen ableiten lassen, handelt es sich zunächst einmal um willkürliche Festsetzungen. Wo wir Wahlfreiheit haben, sollten wir diese aber möglichst verantwortungsvoll nutzen.
Im vorliegenden Fall war ein Maßstab gesucht, der die Wahrnehmbarkeit von Sichtweitenänderungen zutreffend beschreibt. Das ist gar nicht so einfach: ändert sich nämlich die Sichtweite um einen Kilometer, so ergeben sich erheblich verschiedene Wahrnehmungsänderungen, je nachdem ob zum Beispiel die Sicht von 10 m auf 1010 m oder von 100 auf 101 Kilometer steigt.
Die amerikanischen Wissenschaftler Pitchford und Malm haben deshalb ein spezielles Dunstmaß vorgeschlagen, das diesen Sachverhalt berücksichtigt. Die erwähnten Sichtstufen sind nun im Wesentlichen so gewählt, dass jede Stufe die gleiche Spanne an Dunstmaß umfasst; sprich: jede Stufe steht für den gleichen Umfang an Wahrnehmungsänderung. Zudem sollte das Stufenzentrum (die Mitte der Sichtstufe "passabel") ungefähr mit dem Sichtweitenzentrum (jene Sichtweite, die mindestens in der Hälfte der Zeit erreicht wird) zusammenfallen. Die zahlenmäßige Zuordnung zwischen Sichtstufen und Sichtweiten erfolgt, wenig überraschend, mit mathematischen Methoden; das Ergebnis lautet:

So, jetzt wissen Sie's!
P.S.: Es hat uns aufrichtig gefreut, dass Sie es so genau wissen wollten. Falls Sie auch an Musterfotos zu den Sichtstufen interessiert sind, schauen Sie bitte hier.

10. Kalmit meldet 110 km Sichtweite, aber die Wertung lautet passabel – ist das nicht ein Widerspruch zur vorstehenden Antwort?

Das kann kurzzeitig vorkommen und ist tatsächlich in Ordnung. Der Grund ist folgender: die Kalmit meldet die Sichtweite der letzten fünf Minuten, während sich die Wertung auf die durchschnittliche Sichtweite der vergangenen Stunde bezieht. Auf diesem Wege wird erreicht, dass vorwiegend die langsam veränderliche Aerosolbeladung der Luft beurteilt wird, während kurzzeitige Schwankungen, zum Beispiel verursacht durch eine rasche Hebung oder Senkung der Wolkengrenze, ausgefiltert werden.

11. Was bedeutet das dv bei der Angabe des Dunstmaßes?

Die Abkürzung dv steht für deciview. Es handelt sich um ein logarithmiertes Verhältnismaß, das ähnlich und vergleichbar zum Dezibel definiert wurde (das vermutlich bekanntere Dezibel, abgekürzt dB, ist ein Maß für akustische Wahrnehmungen). Im ersten Anlauf kann man sagen, dass es sich beim deciview um einen Einheitennamen ähnlich dem Meter, der Sekunde, usw. handelt, nur eben weniger geläufig (Länge und Zeit sind alltäglichere Größen als das Dunstmaß, ein Maß für optische Wahrnehmungen). Im zweiten Anlauf wäre zu präzisieren, dass logarithmierte Verhältnismaße allgemein als Hinweiseinheiten zu interpretieren sind.

12. Gibt es einen möglichst anschaulichen Zugang zu den Sichtstufen schlecht, passabel, hoch und exzellent?

Wenn Sie sich ohne tiefergehende Erläuterungen eine Vorstellung verschaffen möchten, welche Landschaftseindrücke den jeweiligen Sichtstufen zugeordnet sind, dann vergleichen Sie unsere Musterauswahl von Messbildern.

13. Warum stehen hier ziemlich anspruchsvolle Antworten auf so einfache Fragen?

Weil wir nur die guten Fragen ausgewählt haben! Zu folgern, dass es zu einer einfachen Frage eine einfache Antwort gibt, ist leider ein Fehlschluss. Dazu gibt es berühmte Beispiele:
Warum wird es nachts dunkel? (Antwort gibt die Kosmologie)
Warum ist der Himmel blau? (Antwort gibt die Elektrodynamik)
Wie weit kann man im besten Fall sehen? (Antwort gibt die Optik der Atmosphäre)
Was ist Nachhaltigkeit? (Antwort geben z.B. Experten im Haus der Nachhaltigkeit)

14. Wo bleibt die Antwort auf meine Frage?

Geduld – vielleicht war Ihre Frage so gut, dass unsere Experten noch grübeln. Oder: Lesen Sie sich noch einmal diese Antwort aufmerksam durch...

15. Darf ich die Sichtweitenmesswerte nutzen?

Zu Ihrer persönlichen Information – gerne. Ansonsten gilt: Das Veröffentlichungsrecht liegt exklusiv bei Landesforsten Rheinland-Pfalz, das Urheberrecht bei Prof. Winfried Lang. Mit anderen Worten: eine ungenehmigte Nutzung hat unangenehme Konsequenzen.

16. Bei der Registrierung kann man eine Anmarschzeit angeben. Wozu ist das gut?

Nach dem Eintreffen einer Alarmierung verstreicht voraussichtlich einige Zeit, bis Sie sich
zu Ihrem Aussichtspunkt begeben haben – diese Zeitspanne heißt Anmarschzeit. Sie
stellen durch diese Angabe sicher, dass Sie nur dann alarmiert werden, wenn Sie Ihr Ziel
noch vor Sonnenuntergang erreichen können. Ganz Vorsichtige können stattdessen auch
den gesamten Zeitbedarf für Hin- und Rückweg inklusive Aufenthaltszeit eintragen, um
nicht in die Dunkelheit zu geraten.

17. Warum werden bei einer Registrierung nur Alarmwerte akzeptiert, die merklich über der aktuellen Sichtweite liegen?

Zunächst einmal gilt diese Einschränkung nur, wenn eine Alarmierung mit sofortiger Wirkung gewünscht wird. In diesem Fall ist ein Alarmwert kleiner oder gleich der aktuellen Sichtweite wenig sinnvoll, ebenso ein minimal höherer Wert. Der Abstand ist so ausgelegt, dass man sich mit sofortiger Wirkung nur bei einer Sichtweite alarmieren lassen kann, die einen gerade noch erkennbar besseren Landschaftseindruck gewähren wird als der momentan bestehende. Dieser Abstand lässt sich übrigens nicht als konstanter Kilometerwert ausdrücken, genaueres finden Sie hier.

18. Warum erhalte ich beim abendlichen Verschwinden der Sicht keine Erledigungsnachricht, obwohl ich zuvor alarmiert wurde?

Eine Erledigungsnachricht wird bestimmungsgemäß nur versandt, wenn die Messstation aktiv ist. Da sie vor Sonnenuntergang in den Pausenzustand wechselt, löst die hereinbrechende Dämmerung keine Erledigungsnachricht aus.

19. Kann man von der Kalmit aus die Alpen sehen?

In der Literatur finden sich mehrere Berichte über Alpensichtungen von der Kalmit aus, Beobachtungen sind zum Beispiel in den Jahren 1822, 1858 und 1917 verbürgt. Und tatsächlich ist es unter günstigen – wenn auch seltenen – Umständen möglich, Ziele zu sehen, die so weit entfernt stehen wie die Berner Hochalpen (siehe Antwort 1). Da in der Naturwissenschaft Beobachtungen über Streitfragen entscheiden, sollte damit Frage 19 beantwortet sein – vorausgesetzt, unsere Zeugen haben bei ihren Wahrnehmungen die nötige Portion an kritischem Verstand walten lassen. Bedenklich ist immerhin, dass noch niemand ein Beweisfoto vorgelegt hat; was wiederum einfach daran liegen könnte, dass mit der Mehrung unseres materiellen Wohlstands eine Minderung der Sichtweite einherging...
In einer umfassenden Untersuchung konnte die aufgeworfene Frage zuletzt eindeutig verneint werden: von der Kalmit aus wird die Sicht auf die Berner Hochalpen schlicht durch dazwischen liegende Höhenzüge des Schwarzwalds verhindert. Eine ins Detail gehende Begründung liefert ein Aufsatz, der im Jahr 2000 im Nachrichtenblatt der Vermessungs- und Katasterverwaltung Rheinland-Pfalz erschienen ist und mit freundlicher Genehmigung des Autors hier abgerufen werden kann.



Haus der Nachhaltigkeit